Sie wollen wissen, welchen Wein ich Ihnen für den Heiligen Abend empfehle?
Es kann nur der (bislang) unglaublichste „Unico“ des letzten Jahrhunderts sein, jener des fulminanten Jahrganges 1970, eine Cuvée aus Tinto Fino (70%), Cabernet Sauvignon (20%), Merlot und Malbec (insgesamt 10%). Er kam erst 1995 auf den Markt, als Magnum gar erst 2000. Der Wein verbrachte 15 Jahre in Fässern verschiedener Größe und erinnert an üppiges weihnachtliches Backwerk: Aromen nach Zedernholz, Vanille, Kirsche, Powidl und vor allem Nougatschokolade eifern miteinander in einem Potpourri kindlicher Träume.
Trinken Sie diesen Wein und Sie werden den Glauben an die wundersame Erfüllung ihrer Wünsche hoffentlich niemals ganz verlieren; zumindest nicht an die unvergänglichen Gerüche und Erinnerungen unbeschwerten Glücks. Unser dunkelopaker „Unico“ ist gewachsen wie kein anderer. Wie Lou Andreas-Salomé, die Rainer Maria Rilke brieflich nach Berlin (letztmalig) zuruft: „Doch da kam etwas hinzu (…): nämlich der Umstand, dass ich trotz unseres Altersunterschiedes immer noch wachsen musste (…), – ja, so seltsam es klingt: bis in meine Jugend hinein! Denn erst jetzt bin ich jung, erst jetzt darf ich sein, was andere mit 18 Jahren werden: ganz ich selbst! (…) Gehe denselben Weg, Deinem dunklen Gott entgegen!“
Spüren Sie, wie weich und opulent Holz und Zeit die süße Lebensfrucht form(t)en? Und sehen Sie dann genau hin: Glänzen ihre Augen nicht ähnlich vor dem Christbaum, wie die der Kinder und jener Großeltern, die die Jahre milder und nicht verhärmter machten!?
Wunderbar, dass es noch Weine mit zeitlosen Kellerstrategien gibt; so warten wir noch immer auf den Unico des Jahrhundertjahrganges 1996, der irgendwann unsere Festtage bereichern wird.
Vielleicht schreiben wir bald wieder Briefchen an das Christkind?